Schlosser nach einem Streit erschossen

23. Januar 1934 – „Wie wir bereits gestern berichteten, ist ein junger Mann aus Seedorf, der 24 Jahre alte Schlosser Georg Neubauer in der Nacht zum Montag in der Nähe des Dorfes Roggenmühle erschossen worden. Am Sonntag abend hatten sich junge Leute aus Seedorf, Jelmstorf und Addenstorf im Roggenmühler Gasthaus eingefunden, um dort gemütliche Stunden zu verbringen. Während die Jelmstorfer und Addenstorfer eine Gemeinschaft für sich bildeten, und den Geburtstag eines Arbeitskollegen feierten, vergnügten sich die Seedorfer auf ihre Art. Der Erschossene; Georg Neubauer aus Seedorf, soll nun im Laufe des Abends versucht haben, mit den Addenstorfern und Jelmstorfern in Streit zu kommen. Schließlich entschlossen sich die letztgenannten, daß Lokal zu verlassen und den Heimweg in ihre Dörfer anzutreten. Auf dem Nachhauseweg mussten sie feststellen, daß auch der Seedorfer das Lokal verlassen hatte und ihnen folgte. Kurz hinter Roggenmühle erreichte Neubauer die Addenstorfer und Jelmstorfer und versetze einem Jelmstorfer einen Schlag mit dem Spazierstock über den Kopf. Dieser wehrte sich und schlug nach kurzem Wortwechsel den Angreifer mit der Faust zu Boden. Neubauer erhob sich und nahm die Verfolgung der Jelmstorferen und Addenstorfer, die im Dunkel ihren Dörfern zueilten, auf. Hierbei stieß er auf einen landwirtschaftlichen Arbeiter aus Addenstorf. Dieser soll nun versucht haben, den Seedorfer Schlosser zu beschwichtigen. Neubauer ließ sich aber nicht beruhigen, sondern schlug auch auf den landwirtschaftlichen Arbeiter aus Addenstorf ein. Dieser wehrte sich so gut er konnte. Schließlich zog er eine Pistole und gab einen Schreckschuß ab, um den Angreifer einzuschüchtern. Neubauer soll aber trotzdem gegen den Addenstorfer mit seinem Spazierstock tätlich vorgegangen sein. In diesem Handgemenge gab dann der Addenstorfer auf Neubauer weitere Schüsse ab. Sodann begab sich der Addenstorfer zu seinen Kameraden, die bereits das Dorf erreicht hatten und schilderte diesen den Vorfall. Einige Seedorfer, die noch später Roggenmühle verlassen hatten, fanden Neubauer bereits tot auf. Die Leiche wurde nach Roggenmühle zurückgebracht. Der herbeigerufene Arzt, Dr. Driechel – Bienenbüttel, konnte nur noch den Tod feststellen. Bereits nach kurzer Zeit erschienen die zuständigen Landjägereibeamten am Tatort und unternahmen sofort die notwendigen Schritte, die zur Klärung des Vorfalles nötig waren.“

Der Täter Wilhelm Hövener, der seinerzeit in Jelmstorf wohnhaft war, wurde um fünf Uhr vorläufig festgenommen und kurz nach sechs Uhr dem Gerichtsgefängnis in Uelzen zugeführt.

Der Landjägerposten Barum teilte den Sachverhalt am 22. Januar schriftlich dem Landrat in Oldenstadt mit. Aus diesem Schreiben geht auch die persönliche Einschätzung des Schriftführers hervor, der von einer unzweifelhaft überschrittenen Notwehr ausging.

Vor Gericht war die Notwehr nicht zu widerlegen. Hövener wurde im Juni 1934 lediglich wegen unbefugten Führens und Nichtanmeldung einer Waffe zu drei Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt.

Dieser Artikel stammt nicht aus der Allgemeinen Zeitung sondern der Uelzen-Isenhagener Zeitung vom 23. Januar 1934. Eine Verwendung erfolgte bereits in „Historische Kriminalfälle im Landkreis Uelzen„.

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