Quelle:

Text: Kurt Ernst, Manuskript: StadtA BB, A03, A2218-2015/049, Veröffentlicht: im “Blickpunkt” am 27. September 2002.
Die dargestellten Beiträge Dritter dienen der Erleichterung einer weiteren Recherche. Wir empfehlen die Sachverhalte, insbesondere Datumsangaben und Namen immer zu überprüfen.

Die Geschichte einer Drogerie

1886 kaufte der Maurermeister Heinrich Harms aus Vinstedt das Eckgrundstück am Kirchplatz Pastorenstraße – Lüneburger Straße. Zur damaligen Zeit führte dieses Grundstück die Nr. 84. Da dem neuen Besitzer der Zustand des Grundstücks gar nicht gefiel, baute er 1892 für sich in der Pastorenstraße 2 ein Fachwerkhaus, das heute noch gut anzusehen ist. Außer diesem baute er in der Lüneburger Straße ein langes Ziegelsteinhaus mit einer Toreinfahrt zum Hof nach hinten, das die Hausnummern 3, 5, 7 und 9 erhielt. Diesen schönen Anblick in der Lüneburger Straße hat der bekannte Maler Burmeister in einem präzise angefertigten Gemälde festgehalten.

Später wurde dieser Bauzustand nur wenig durch das aufkommende Geschäftsleben in Bevensen geändert. So erhielt das Haus Nr. 3 im Erdgeschoß einen Laden mit 2 Schaufenstern und einem Eingang in der Mitte. In diesem Laden verkaufte der Schneidermeister Adolf Richters Manufaktur- und Modewaren (Foto 1). Als Verkäufer hatte er Wilhelm Bartling aus Brake angestellt, der dieses Geschäft von 1909 – 1913 übernahm. Später hatte dann Bartling die Gelegenheit, das Haus in der Kirchenstraße 3 zu erwerben. Danach wurde der Laden in der Lüneburger Straße mit viel Geschick umgebaut, um genügend Platz für eine Drogerie mit allen Nebenprodukten, die in Bevensen gebraucht wurden, zu erhalten. Am 15.04.1914 eröffnete der neue Mieter Lorenz Feddersen seine “Schwanendrogerie”.

Alle erforderlichen Drogen, Kosmetika, Kerzen, Kaffee von Harreik, Schokolade, Konfitüren und Spirituosen wurden angeboten. Leider konnte er sich nicht lange persönlich des Ladens erfreuen, da er bereits Anfang des Krieges eingezogen wurde und bis Kriegsende Soldat war. Auch seine Verkäufer wurden eingezogen, so dass seine Frau Martha allein die Drogerie führte. Durch ihren Einsatz trug sie wesentlich zum Erfolg der Schwanendrogerie bei. Nach dem Ende der Inflation konnte 1924 das Grundstück Lüneburger Str. 3 von den Erben des Erbauers käuflich erworben werden. 1926 konnte dann der Zeit entsprechend ein Umbau vorgenommen werden. Der Eingang Pastorenstraße zur oberen Wohnung wurde auch aufgearbeitet. 1937 übernahm Dr. Heinick die oberen Räume als Zahnarztpraxis. Auch die Schwanendrogerie wurde für neue Verkaufsprodukte erweitert. Es wurden Fotogeräte von AGFA angeboten und Fotoarbeiten im Haus durchgeführt. Ferner gehörten zum Angebot Fotoalben und Reisezubehör. Alles in allem eine Modernisierung, die bei allen Bevensern gut ankam. 1951 trat sein Schwiegersohn Eduard Schmölling als Teilhaber in das Geschäft ein, so dass mit altem Wissen und jungem Schwung das Geschäft geführt werden konnte. 1952 erfolgte eine zeitgemäße Ladenerweiterung: aus 2 Schaufenstern wurden insgesamt 5 große Schaufenster. 1964 konnte das 50jährige Bestehen der Firma groß gefeiert werden.

Mit der Erweiterung des Ladens war auch die Existenz der Zahnarztpraxis in der oberen Etage vorbei. – Ein Teil des Ladens mit der Tür in der Pastorenstraße wurde abgetrennt für einen Gemüseladen, den Veeh führte, der vielen noch bekannt sein dürfte. Er verkaufte hier bis 1970 Obst und Gemüse, dann mietete in der Medinger Straße einen größeren Laden und erweiterte sein Angebot. Nach dem Auszug von Veeh konnte der Laden wieder der Drogerie zugeschlagen werden. Statt der Tür in der Pastorenstraße kam wieder ein Schaufenster. In den nun zusätzlichen Platz kam eine neue Abteilung, und zwar ein Reformgeschäft mit allen bekannten diesbezüglichen Waren, das sich großer Beliebtheit erfreute.

1975 übernahm Jürgen Schmidt von seinem Schwiegervater „Edu” (Eduard) Schmölling die Drogerie. Auch er formte in der Anordnung einiges der Zeit entsprechend um. Seine Tochter half ihm dabei. Sie eröffnete am 15.09.1999 eine Handlung für Kinderspielzeug und Spiele aller Art – auch für Erwachsene, aber ohne Drogerie-Artikel. Lediglich die Fotoartikel behielt sie weiterhin in ihrem Angebot. (Stand: September 2002)

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