Quelle:

Text: Carl-Friedrich Bautsch – veröffentlicht in den Bevenser Nachrichten – Juni 1998

Schützenfest früher

Schützenfest, oder wie es früher meistens hieß: »Schiebenscheeten«, war für alle das größte Fest in Bevensen. Es gab wohl keinen angesehenen Bürger oder Geschäftsmann, der nicht Mitglied der Gilde war. Wer da nicht mitmachte, wurde »scheef ankäken« und mußte als Geschäftsmann damit rechnen, gemieden zu werden.

Die alte Tradition wurde bewahrt. Es gab Familien, die waren »Schützen«, andere »Jäger«, oder sie gehörten der »Garde« an. Jeder war natürlich stolz auf seine Kompanie und hoffte, daß der Schützenkönig aus seiner Kompanie kam. Natürlich trat der jeweilige Sohn in die Kompanie seines Vaters ein.

Ein Schlachtermeister war früher mal Feldwebel der Schützenkompanie. Der Feldwebel, mit dem Anschreibebuch, das man offen in der Uniformjacke trug, war mit der wichtigste Mann in jeder Kompanie. Er war ja »die Mutter der Kompanie«. Feiern konnte man früher besser. So manch einer kam nicht immer ganz alleine vom Fest nach Hause. Er brachte dann den berühmten Kater mit. Es war auch üblich, wenn die Beine mal nicht wollten, daß es dann hieß: »Dan bringt wi mit de Schuuwkoor na Huus.« Man legte ihn auf eine »Schottsche Koor« und kippte ihn vor der Haustür einfach ab Ein Rettungswagen also der damaligen Zeit.

Wir Kinder übten Wochen vorher mit dem Pusterohr. Wenn heute einer vom Schützenfest heim fährt, muß er manchmal auch in ein Röhrchen pusten. Verfärbt sich das Röhrchen grün, kommt er sicherlich zur Infanterie oder zu den Radfahrern. Bei einem Schützenfest früher passierte es. Der Sohn des Schlachtermeisters hatte einen zuviel getrunken und lag am Schwanenteich hinter dem Schützenhaus. Seine Beine hatten ihn verlassen, er war selig eingeschlafen und träumte vom Königsball. Aufgeregt erzählte ein Schütze dies dem Vater und Feldwebel der Schützenkompanie. »Dien Jung, de liggt door vullkommen besaapen an‘ Diek und röögt sik nich.«

Sofort sprang der Feldwebel und Schlachtermeister auf, um seinem Sohn zu helfen. Als er zurück kam, frug ihn der Schützenbruder: »Na, hest em funnen?« Da antwortete der Feldwebel und Vater hämisch: »Wat geit mik de Jung denn an, de is je nu von mien Kompanie. Wenn jü em hölpen wollt, seggt man bi’n Feldwäbel von de Jägerkompanie Bescheed.«

So war es mit der Tradition früher. »Tradition« heißt aber »überbringen« und »bewahren«. Weil mir diese Geschichte, die sich wirklich ereignete, erzählt wurde, habe ich sie in »Platt« aufgeschrieben. Ich denke aber, daß sie für diejenigen, die kein Platt mehr verstehen, auch in »Hochdeutsch« aufgeschrieben werden sollte.

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