Quelle:

Text: Kurt Ernst, Manuskript: StadtA BB, A03, A2218-2015/049, Veröffentlicht: (in gekürzter Form) im „Blickpunkt“ am 24. Oktober 2003;

Die dargestellten Beiträge Dritter dienen der Erleichterung einer weiteren Recherche. Wir empfehlen die Sachverhalte und insbesondere Datumsangaben und Namen immer zu überprüfen.

Das Leben vor mehr als 100 Jahren im Haus Wünecke/Wünnecke

Neben dem wohl allen bekannten Zigarrenhaus Uhde in der Lüneburger Straße stand ein Haus, das auch allen älteren Bevensern noch gut in Erinnerung ist, das Haus mit Laden Wünecke (auch Wünnecke geschrieben).

1796 baute der Schuster Johann Cordes dieses Haus, das 1882 der Schlachter Friedrich (genannt Fritz) Wünecke erwarb, um hier seine Fleischwaren zu verkaufen, wo sich auch ein guter Erfolg einstellte. Leider erkrankte er 1895, so dass er als Fleischer nicht mehr tätig sein konnte und auch keine Fleischwaren verkaufen durfte. Deshalb stellte er sein Geschäft um und verkaufte in seinem Laden Kolonialwaren und was die Bevenser noch benötigten. Zu seinem Angebot gehörten nun auch Ansichtskarten von Bevensen aus eigenem Verlage. Seine Frau Elisa war mit ihm im Verkauf tätig.

Die 1882 erforderlichen Fleischhaken für die Fleischwaren an den Wänden überlebten alle Zeiten und waren noch beim Hausabriss vorhanden. Das Ehepaar Wünecke hatte 5 Kinder. Der Sohn Fritz war Kaufmann in Hann. Münden. Leider ist er vor Moskau im 1. Weltkrieg gefallen.  Die älteste Tochter, Alice, heiratete den Lehrer Blechschmidt in Bevensen, der später nach Burgdorf umzog. Deren Sohn Richard war sportlich sehr aktiv. Er erhielt 1928 während der Reichs-Jugend-Wettkämpfe den 2. Preis. Die Tochter Alice wohnte in den 20er Jahren auch im Haus, wie im Einwohneryerzeichnis von 1920 aufgeführt.

Die beiden Töchter Erna und Margarete heirateten nicht und konnten so bereits vor dem Tode ihres Vaters (1920) im Laden beim Verkauf helfen. Auch waren die beiden Schwestern voll auf die Nutzung des Hauses bedacht. So haben sie nach dem Tode des Vaters die nunmehr freien Räume an den Arzt Dr. Gustav Meyer vermietet.

Die jüngste Tochter, Ilse, geb. 1899, musste sich am 23. April 1918 vom Bevenser Magistrat bescheinigen lassen, dass sie „politisch unbedenklich“ war. Warum ist unbekannt. Sie wurde Apotheken-Helferin und lernte später den Witwer Hepple kennen, der politisch nicht verdächtig war. Der Vater, Fritz Wünecke, starb 1920, seine beiden Töchter setzten das Geschäft als Gemischtwaren-Laden fort. Da das Geschäft in der Stadtmitte gelegen war, wie schon erwähnt, war es bei den Bevenser Hausfrauen sehr beliebt, zumal dort Waren angeboten wurden, die andere Läden nicht führten. Natürlich wurde auch Milch, reichlich und frisch, angeboten.

Milchwagen Wünecke 1938

Der Milchwagen vor dem Haus Wünecke

Sogar die Schulkinder waren gute Kunden, da sie sich für 5 Pfennig Süßigkeiten holten, und dies noch in den 60er Jahren, ob sie da allerdings für 5 Pfennig noch Süßigkeiten wie gewünscht erhalten konnten, ist ungewiss. Bemerkenswert ist, dass im Laden immer eine wunderbare Azalie mit ca. 1 m Durchmesser mit prächtigen Blüten stand, die sich besonders lange hielten, da im Laden keine Zentralheizung vorhanden war. Im Verkauf ging man auch mit der Zeit, so wurden auch 1/2 Flaschen der verschiedenen Liköre der Firma Eggert aus Bevensen angeboten. Margarete starb 1960 und Erna führte den Laden bis zum Schluss weiter. 1966 war alles vorbei – der Laden wurde für immer geschlossen. Der Erbe Volker Hepple ließ Geschäft und Haus abreißen. Stattdessen wurde ein dreistöckiges Wohn- und Geschäftshaus errichtet, das uns allen bekannt ist.

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