Quelle:

Text: Kurt Ernst, Manuskript: StadtA BB, A03, A2218-2015/049, Veröffentlicht: im „Blickpunkt“ am 25. Januar 2002;

Die dargestellten Beiträge Dritter dienen der Erleichterung einer weiteren Recherche. Wir empfehlen die Sachverhalte und insbesondere Datumsangaben und Namen immer zu überprüfen.

Ein Haus mit besonderer Geschichte

In Bad Bevensen in der Lüneburger Strasse gibt es ein Haus, das etwas Besonderes erlebt hat, wie es bestimmt selten vorkommt. Es betrifft das Haus Nr. 101, später Am Markt 13, heute Lüneburger Str. 1. Erbaut wurde das Haus 1608. Bis 1862 gehörte das Haus der Familie Sichtau. Diese Familie war in verschiedenen Berufen erfolgreich tätig.

Bemerkenswert ist , dass sich ab 1800 eine Branntweinbrennerei befand, obwohl in der Kirchenstrasse 2 nur ca.30 m entfernt die nächste Brennerei war.  Da ab 1820 die Brennereibetriebe und Tabakwarenherstellung von der damaligen Regierung erlaubt wurden, kam ab 1820 die Tabakwarenfabrik hinzu, auch hier war in Bevensen noch bis 1963 Konkurrenz vorhanden. Als Mitbewerber ist wohl noch heute manchem Bevenser Bürger die Fa. Uhde in der Lüneburger Str. 18 bekannt, wo bis 1963 Zigarren gefertigt wurden.

1873 übernahm der Bäckermeister und Gastwirt Wilhelm Meyer das Grundstück am Markt. Er hatte zuvor im Bäckergang Nr. 5 eine Gastwirtschaft und Bäckerei betrieben.

D0101e 0012 - Bev-Kriegerdenkmal 003

Ab 1896 übernahm der Sohn Theodor Meyer, der nicht unvermögend war, mit grossem Erfolg die Gastwirtschaft

Theodor Meyer brachte Wilhelm II das Schwimmen bei

Theodor M. hatte den Spitznamen „PUMPMEYER“ – nicht ohne Grund, da auf dem Grundstück eine Pumpe stand, dessen Wasser auch die Bürger aus der Nachbarschaft entnehmen durften. Der Name Meyer war in Bevensen oft mit einem Spitznamen versehen worden: Solmeyer, Karnickelmeyer, Klingelmeyer, Postmeyer, Kornmeyer usw.

Nicht nur Wilhelm I fuhr über Bevensen zu seinem Jagdgebiet in der Göhrde (Anm.: siehe unten dargestelltes Dokument aus dem Jahr 1871) , sondern auch Wilhelm II, – darüber liegt noch Schriftverkehr vor. Wilhelm II hatte zu Bevensen einen etwas persönlichen Kontakt. Da bis zur Göhrde noch keine Bahnverbindung bestand, fuhr er mit der Bahn bis Bevensen und von hier mit der Kutsche weiter in die Göhrde. Manchmal ließ er seine Kutsche zum Haus Markt 13 fahren, um den Gastwirt Theodor Meyer zu besuchen. Er hielt sich dort auch ein wenig auf bevor er über die Brückenstrasse und Göhrdestrasse zur Jagd weiterfuhr. Theodor Meyer soll dem Kaiser in seiner Jugend das Schwimmen beigebracht haben, weshalb er der Einzige gewesen sein soll, der dem Kaiser etwas sagen durfte. Der Kaiser war ihm zugetan und schenkte ihm ein Bild mit seiner Widmung. Bis Kriegsende hing es immer in der Gastwirtschaft.

Nicht nur Wilhelm I fuhr über Bevensen zu seinem Jagdgebiet in der Göhrde, sondern auch Wilhelm II

Leider ist es dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden. In der Gastwirtschaft war es nicht so einfach wie in der Bäckerei. Damit kein Gast ohne zu bezahlen durch die Tür verschwinden konnte, hielt sich Meyer vor der Tür einen sprechenden Papagei. Wenn ein Gast zur Tür ging, rief dieser laut: „Hat du och betohlt?“

Die Gaststätte wurde gern besucht. Nicht nur Senioren trafen sich hier sondern auch Familienfeste wurden hier gefeiert. 1932 starb Theodor Meyer. Seine Frau Marie Meyer führte noch bis 1938 die Gastwirtschaft und Bäckerei. Durch die Heirat der Tochter Irmgard kam alles in die Hände der Familie Albert Deumann. Ab 1939 entstand neben der Gaststätte noch ein Viehhandel. Die Gaststätte existiert heute als BERLINER BÖRSE und wird von Hans Kahl geführt. Bei Einheimischen und Kurgästen ist das Haus wegen der freundlichen Bedienung sehr beliebt.

Dies sind in kurzer Zusammenfassung die besonderen Ereignisse um das Haus am Markt 13. (Stand Januar 2002)

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