Hinweis:

Zeitzeuge: Carl Friedrich Bautsch (Groß Hesebeck);

Unser Haus, ein Niedersachsenhaus, wurde 1826 gebaut. In der Mitte war eine Diele, links der Pferdestall für 4 Pferde, rechts der „Kuhstall.“ Um mehr Milchkühe zu halten wurde 1936/37 unsere alte Scheune zum Pferdestall mit 5 Pferdeboxen umgebaut. Für den Kutscher ein Schlafraum eingebaut. Auch eine Autogarage fand Platz in dieser alten Scheune. Pferde liefen nun lose in den Boxen und waren nicht mehr angebunden.

Die Fachwerkscheune stand sehr niedrig an der Straße. Um es besser zu gestalten hat mein Vater den Zimmermeister Neuling aus Pattensen, (Winsen Luhe) beauftragt die Scheune um 60 Zentimeter anzuheben. Neuling kam mit etwa 60 Holzwinden (Hartholzschrauben) zu uns und stellte diese unter die Grundbalken der Scheune. Durch langsames Drehen  mit langen Hebeln, an allen  Schrauben, wurde so die ganze Scheune mit ausgemauerten Fachwerk und Ziegeldach um etwas über 60 Zentimeter angehoben. Maurer erstellten ein neues Fundament darunter. Durch zurück drehen und herausnehmen der Winden steht nun diese nun schon Scheune schon fast 80 Jahre dort. Auch beim Bauern Harms in Groß Hesebeck hat diese Spezialzimmerei eine alte Scheune mittels der Schrauben angehoben und sie auf untergelegte Rollen 100 Meter an eine andere Stelle geschoben, um Platz für einen Neubau zu bekommen. Pro Tag 10 Meter. Damals stand in einer Zeitung ein Artikel mit der Überschrift: „In Gr. Hesebeck ist eine Scheune verrückt.“  Eine Technik die kaum jemand kennt,  schade dass es keine Fotoaufnahmen davon mehr gibt

1936-37 bauten wir unsern Kuhstall im unserem Niedersachsenhaus um, weil mehr Platz für Kühe gebraucht wurde. Die vorhandene Mistkuhle von 1857 musste zunächst zugeschüttet werden. Im „Sonntagsblatt für den Landmann im Fürstentum Lüneburg“ Nr. 11 vom 1 Dezember 1858, Seite 85 ist zu lesen: „Auf vereinseitige Kosten sind 3 gepflasterte Düngerstätten angelegt. 1.) Bei den Oeconomen Drangmeister zu Alt-Isenhagen, 2.) bei dem Hofbesitzer Barge zu Strothe, 3. bei den Hofbesitzer Bautsch-Meyer zu Groß Hesebeck.“ Zu dieser Zeit gab es solche Mistkuhlen noch nicht.Teile dieser Pflasterung sind  auch heute noch erkennbar.

Eine Querdiele wurde eingebaut im Haus mit einer „Hochstall Aufstallung.“ Die alte „Missendöör,“ bei uns „Grootdöör“ genannt, ist zugemauert worden. Der Tor-Balken ziert aber heute noch nach dem Umbau 1964 zu Ferienwohnungen den „Vorschauer“ Die Motorisierung begann 1937 mit der Anschaffung unseres 1. Autos. Es war ein „Adler Primus.“ Ein Zwischenmodell der „Adler-Tumpf und Tumpf Junior Modelle,“ 38 PS und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h. Mein Vater ist im 1. Weltkrieg verwundet worden und hatte noch 1918 einen Führerschein Klasse 3 für Wehrmachtsfahrzeuge gemacht. Er musste aber, weil der nicht anerkannt wurde, einen neuen Führerschein machen. Von nun an brauchte man nicht mehr mit „Landauer,“ oder „Kutschwagen“ ausfahren. Der Landauer und ein Kutschwagen konnten verkauft werden. Ich kann mich entsinnen, dass unser Vater zunächst mit unsere Familie eine kurze Ausfahrt machte, dann auch mit den Mitarbeitern des Hofes. Für uns Kinder ein Erlebnis, das man nie vergisst..

Schon 1938, kaum war der Pferdestall neu ausgebaut, kam der erste Trecker auf dem Hof. Es war ein „MIAG“ (Mühlenindustrie Aktiengesellschaft in Braunschweig) Schlepper. Ein Trecker mit 20 PS. (Hinterradbereifung nur 8 x 25). Allradantrieb gab es damals nicht, aber der MIAG Trecker hatte schon eine Differenzialsperre. Heute ist die Firma kaum noch bekannt, denn sie hat nur von 1937 bis 1947 Trecker gebaut. Eine Kabine, besser gesagt ein Verdeck, baute uns damals die Firma „Hans Ott,“ Bevensen, auf dem Trecker. (eine abgeschnittene Karosserie eines alten Autos.) Ein Gespann Pferde musste nun weichen, wir brauchten nur noch 2 Pferde. So gesehen, war der Neubau unseres Pferdestalles mit 5 Boxen nicht nötig gewesen, 2 hätten auch genügt. Man mag daran erkennen, wie schnell doch die Motorisierung begann. 3 Jahre später gab es schon 4 Trecker im bei uns im Dorf.

Pferde Landwirtschaft

Nicht nur eine Zulassung brauchte man zu dieser Zeit, sondern eine Zollbescheinigung, das man „Mineralöl“ „Zollbegünstigt“ beziehen konnte. In einer Bestätigung heißt es in einem Schreiben (drei Seiten) u.a.: „Erweist sich die im Erlaubnisschein bewilligte Menge als zu unreichend, so kann das zuständige Hauptzollamt dieselbige auf Antrag erhöht werden.“—„Das zollbegünstigt bezogene Mineralöl darf nur im angemeldeten Raume und in den angemeldeten Gefäßen aufbewahrt werden.“—„Der Bezugsberechtigte hat ein Verwendungsbuch über Bezug und Verwendung des Mineralöls unter Beachtung der Gebrauchsanleitung so zu führen, dass die Ordnungsmäßigkeit des Betriebes geprüft werden kann.“—„Betrieb Verwendung: Betriebe mit einer Bezugsmenge bis zu 30000 kg denen ein Erlaubnisschein mit einer Gültigkeitsdauer von 3 Jahren erteilt worden ist, haben außerdem die in der besonderen Erklärung anerkannten Bestimmungen zu beachten.

Mineralöl wurde seinerzeit nicht nach Litern ausgegeben sondern nach kg. In einem von meinen Vater am 24 Oktober 1938 unterzeichneten Schreiben, vom Hauptzollamt Lüneburg heißt es: „§1. Sie dürfen zollbegünstigtes Mineralöl mit einer Dichte von mehr als 0,830 bei 15 Grad Celsius, nur in einer Jahresmenge von höchstens 5000 kg beziehen. Alles war in dem Schreiben bürokratisch geregelt. Lagerung, Verwendung, Belege und Überwachung des Betriebes. Bei nicht Beachtung drohte ein „Sicherungsgeld“ von 10000 Reichsmark. Ein beigefügtes Plakat musste sichtbar aufgehängt werden.  

Ich kann mich erinnern, wir holten unser Mineralöle in 200 Liter Fässern, deren Nummer wir angeben mussten, bei der Firma Callmeyer in Bevensen. Auch dort wurde noch nach Gewicht verkauft.

Zum Trecker gehörte ein 2  Schar Treckerpflug „ Niemeyer“ und ein Anhänger, „Gummiwagen“ oder manchmal auch als „Rullwagen“ bezeichnet. 1939 kam dieser Anhänger, ein „Geno Wagen“ auf unsern Hof. Er war umrüstbar mit einer Pferdedeichsel, die in die Anhängerdeichsel gesteckt wurde. Da der Wagen damals schon „Achsschenkelsteuerung“ besaß, war er für die Anspannung von Pferden besonders geeignet. Diesen Wagen,  2 m. x 5 m., konnte man mittels abgestützter Klappen auf eine Ladefläche von fast 3 m. ausgelegt werden. Tragkraft 5 Tonnen.

Als 1939 der Krieg begann, und die Tagelöhner und wie es damals hieß, „Knechte,“ eingezogen waren, durften Polen als Kriegsgefangene und ich auf dem Feld, unsern Trecker fahren beim pflügen und in der Ernte fahren. Auf den Straßen allerdings, war es nur mein Vater, der ja einen Führerschein besaß.

Wie die Engländer Gr. Hesebeck 1945 besetzten, haben die englischen Soldaten mit unsern Trecker die „Holzdiemen“ (Holzstapel) umgefahren, bis ein Offizier den Soldaten das verboten hat. Der Kühler vom Trecker bekam Risse, wir mussten oft Wasser nachfüllen. Man hat uns geraten Senfmehl und gemahlene Kaffeebohnen in de Kühler zu tun. Es hat geholfen der Kühler war wieder dicht. Zum Ende des Krieges noch eine Bemerkung: Auch Ripke Röbbel hatte  einen MIAG Trecker Die Kriegsgefangenen Italiener aus Gr. Hesebeck und Röbbel

Ein Jahr nach Ende des Krieges hatte unser Miag Trecker ein Defekt. Bei Landmaschinen-Schlosserei Hans Ott stellte man fest, dass ein Zahnrad gebrochen war. Ersatzteile gab es kaum. Mein Onkel in Braunschweig kannte jemand von der Firma Büssing und auch MIAG. Mit ein paar Lebensmittel fuhr ich nach Braunschweig und bekam durch Tausch das fehlende Zahnrad. Es hieß damals: „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“ Wäre nicht der Krieg gekommen, hätte die Motorisierung aller Betriebe bei uns keine 10 Jahre gedauert. Nach der Währungsreform konnten wir unseren „MIAG“ durch einen Lanz Bulldog ersetzen.

Pferde Trecker

Diese Motorisierung, von der Pferdeanspannung zum Trecker, in den Jahren vor dem Krieg und kurz danach, war die Grundlage aller Mechanisierung, Spezialisierung, Technisierung und Automatisierung in der Landwirtschaft. Von der Handarbeit damals, zur Computergesteuerten Landwirtschaft von heute.

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