Hinweis:

Zeitzeuge: Carl Friedrich Bautsch (Groß Hesebeck);

Früher waren die Menschen auf dem Lande alles Selbstversorger. Die Bauern schlachteten so etwa sechs Schweine und ein Rind pro Jahr. Schlachtfest, oder wie man sagte „Schlachtköst,“ das war ein besonderer Tag. Schon früh am Morgen, kam der Hausschlachter und hatte bis zum Abend alle Hände voll zu tun. Schwein „affstäken,“affbröhn,“ Haare mit den „Glocken“ „rünnerschaben,“ Darm reinigen, de „Blaas uppusten“ u.s.w. Wenn einer mal vom Schlachten keine Ahnung hatte, wurde er losgeschickt, deDarmhaspel“ von Naaber to holen. Eine Darmhaspel gab es ja nicht,  man packte Steine in einen Sack und gab sie den neuen „Klookschieter“ mit. Das Schwein kam auf die Leiter, der „Trichinenbekieker“ (Fleischbeschauer) begutachtete es auf seine vorgeschriebene Art. Danach ging es in der „Fudderköök“ oder „Schwienköök“, wo der Kessel, „Muurkettel“ stand mit der Verarbeitung weiter: „Uppschnien,“ „kaaken,“ „Wost maken,“ „Wost kaaken,“ Schinken inpökeln,“ Sült maken.“ Ab und an schickte man wieder „Klookschieter“ los um eine „Sültenpress,“ die es auch nicht gab, zu holen.

Schweine schlachteten alle, auch viele Leute in der Stadt, aber Rind, schlachten nur die Bauern. Geschlachtet wurde das Rind auf der Diele, de „Dääl“. War das Rind mit der Axt getötet, und „affstäken,“ musste das Fell abgezogen werden. Männer hielten das Fell mit der Hand und der Schlachter klopfte es mit der Axt ab. Das Rinderfell verkaufte man an die Gerber. Ein kleines Stück schnitt sich der Bauer davon ab. Man nannte dies bei uns „Goos.“ Dieses Stück wurde gebraucht, um sich daraus kleine Steifen für die Befestigung der Dreschflegel oder auch mal um Pferdegeschirre auszubessern zu schneiden!

Alles vom Rind wurde verwertet. Selbst aus dem Pansen wurde die „Pansenwost“ hergestellt. Der Pansen abgebrüht, musste dann mit den erwähnten „Glocken“ geschabt werden. Danach wurde er im „Bääk“ (Bach) ausgewaschen. Das Beste aber war die bekannte „Koppwost“  vom Rind. Rindfleisch, früher auch Fleischteile des Kopfes, daher der Name „Koppwoost,“  wurden klein geschnitten und durch den „Fleeschwolf“ (Fleischwolf) gedreht. Mit Zwiebeln, „Baschenpäper,“ Salz und Talg vermischt, kam das dann in den Rinderdarm. Jeder Hausschlachter hatte sein eigenes Rezept. Nach dem die Kopfwurst gekocht war, wurde sie noch ein wenig „anrökert“, (in den Rauch gehangen). Diese Spezialität gab es nur bei den Bauern. Tagelöhner bekamen meist eine Kopfwurst beim schlachten geschenkt. Verwandtschaften wurden zum „Kopfwurstessen“ eingeladen.

Weil die Leute in der Stadt keine Rinder schlachteten, lud man Handwerker, Kaufleute und Freunde aus der Stadt zum „Koppwostäten“ auf dem Hof ein. Auch die Gastwirte auf dem Land schlachteten „ton Fasslahm“ ein Rind. Zu Ihren „Koppwostäten“ kamen neben den Bauern und anderen Dorfbewohnern, vor allem Freunde, Handwerker und Geschäftsleute aus der Stadt, um dann für ihre Kundschaft und den Bauern einen auszugeben, denn zur Verdauung gehörte beim Kopfwurstessen Grog und Schnaps dazu. Heute haben viele Bauern keine Rinder und Schweine mehr. Das Hauschlachten ist längs vorbei. In Groß Hesebeck und Hohenbünstorf,  aber auch in anderen Dörfern ist das „Koppwostäten“ nun zu einer Tradition geworden. Kaum einer von den Gästen aber wird über die Entstehung des Kopfwurstessen etwas erfahren. „De Koppwost,“ ist und wird eine Spezialität unserer Heimat bleiben.

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