Hinweis:

Zeitzeuge: Friedrich Wilhelm Kersting;

Nahe des Ladebahnhofes gab es einen schönen Spielplatz für uns. Der Holzlagerplatz bei der Straße – Am Pathsberg, neben oder hinter dem Viehhändler Meier, nach alter Bevensener Art auch „Kuhmeier“ genannt. Die vielen Schulze oder Meier wurden ebenso unterschieden und das war keineswegs böse gemeint. Herr Meier hatte außerdem noch im Durchgang der zu seinem Anwesen führte, auf dem Holzplatz einen alten Opel P 4 stehen. Seine Kinder und wir nutzten ihn natürlich gelegentlich als „Fahrschulwagen“, fuhren mit ihm durch erdachte imaginäre Landschaften oder tobten einfach nur in ihm herum. Der Holzplatz hatte eine geradezu magische Anziehungskraft auf uns. Auf dem Langholz konnten wir herrlich wippen oder balancieren, die oberste Lage erklimmen. Wir verstauchten uns dabei natürlich auch schon mal die Füße. In der Nähe der elterlichen Wohnungen wurde dann durch uns wieder der richtige Gang eingenommen, auch wenn es noch schmerzte. Uns hatte jedoch mehr das aufgestapelte Grubenholz gereizt. Mit allerlei architektonischen Künsten bauten wir uns jede Menge mehr oder weniger schöne Hütten, mit und ohne Fenster. Oh ja, gefährlich war dies ohne Zweifel. Wir waren jedoch von unseren Baufähigkeiten überzeugt und achteten darauf, die Hölzer nicht auf den Kopf zu bekommen. Es ist uns auch nichts passiert. Die größere Vorsicht ließen wir jedoch gegenüber den Holzarbeitern walten. Denen gefielen unsere Spiele nämlich ganz und gar nicht. So weiß ich noch, daß ich eines Tages durch den Garten hinter unserem Haus zum Holzplatz wollte.

Ich sah die drei anderen – Gerd, einer zu Besuch und zwei Spielkameraden, am Holzplatz mit einem Mann stehen. Sie winkten mir zu, ich solle dort hinkommen. Das tat ich auch und kaum war ich dort, hatte ich schon eine saftige Ohrfeige von dem Hölzer weg. Er fragte gar nicht erst. Selbstverständlich wurde diese Schande nicht der Mutter erzählt, es hätte dann die zweite gegeben. Nachher erfuhr ich, die drei Gerds, von dem Mann beschuldigt, leugneten alle Schuld am Höhlenbau und weil ich mich gerade dort zeigte, mußte ich es dann wohl sein. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, wäre auch ich total unschuldig gewesen. Ich nahm es den Spielgefährten aber nicht übel. An der Ecke des Platzes, nahe eines anderen Meiers, stand noch ein knorriger Kirschbaum. Wenn mich nicht alles täuscht, gehörte er der Frau Holz, die die Fahrzeugwaage an der anderen Ecke des Ortes betrieb. Dieser Baum hatte wundervolle, große und ausgezeichnet schmeckende, gelbe Kirschen. So manche Frucht ging dort in unsere Mägen. Neben dem Baum stand auch ein alter, ziemlich wackeliger Holzschuppen. Über dessen Inhalt haben wir nie etwas erfahren. Aber er hatte in einer Seite noch etwas Platz, um Lappen unter den Brettern hindurchzuschieben. Die Tücher deponierten wir dort, um damit unsere lehmverschmierten Schuhe zu reinigen, bevor wir nach dem spielen nach Hause liefen. Meistens dann, wenn wir der Sandkuhle am Eppensener Weg einen Besuch abstatteten und heimwärts natürlich kreuz und quer über die Äcker trotteten.

Vieles hat sich dort in den Jahren geändert. Kein Holz mehr, die Waage ist verschwunden, ebenso Erbe’s Obstgarten. Auch die Meiers wohnen nicht mehr dort. So läßt die Zeit alte Spielplätze meiner Generation spurlos verschwinden. Aber ist das nicht auch ein Teil der Geschichte? Nebensächlich zwar, dennoch wird etwas über einen Moment unserer Kinderzeit nach dem Krieg beschrieben, den künftige Generationen lesen können. Sie werden ihre eigenen, aus ihrer Zeit geborenen, Erlebnisse haben. Interesse haben sie aber vielleicht dennoch.

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