Aufnahmelager „brechend“ voll

8. November 1989 – „dpa München. Der Massenansturm von DDR-Flüchtlingen über die offene CSSR-Grenze droht die Aufnahmekapazität der 50 Erstaufnahmelager in Bayern zu sprengen. „Fast alle sind brechend voll“, hieß es dazu beim Bundesgrenzschutz (BGS). Allein bis gestern abend suchten nach Schätzungen der Behörden seit dem frühen Montag morgen knapp 15 000 DDR-Bürger eine Unterkunft in der Bundesrepublik.

Bis heute morgen rechnete der Grenzschutz mit weiteren 6 000 bis 8 000 Flüchtlingen. Die Zahl der Flüchtlinge aus der DDR, die über Prag in den Westen reisen wollen, hat sich jetzt etwa bei 4 000 pro Tag eingependelt. Täglich werden drei Sonderzüge zusammengestellt, die die Flüchtlinge nach Schirnding bringen. Da auch der Zustrom von Flüchtlingen mit eigenen Autos oder mit Bussen nach Bayern nicht abreißen werde, sollen die Lager möglichst schnell geräumt und neue Unterkünfte geschaffen werden. Die Gesamtzahl seit Öffnung der Grenze zur CSSR am Freitag abend voriger Woche hat sich sich bis Dienstag abend auf fast 35 000 erhöht. Seit Öffnung der ungarischen Westgrenze am 11. September sind nach Angaben des Bundesgrenzschutzes fast 100 000 DDR-Bürger in die Bundesrepublik gekommen.

Durch Notunterkünfte außerhalb Bayerns und die Vereinfachung des Aufnahmeverfahrens sollen im Rahmen von Verhandlungen mit Bund, Ländern und Gemeinden die nahezu erschöpften Möglichkeiten zur Aufnahme der Neuankömmlinge verbessert werden. Bremen stoppte gestern die Aufnahme von Aus- und Übersiedlern, da nicht mehr als die bislang aufgenommenen 6000 Menschen untergebracht werden können.“

 

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