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TEXT: Tino Wagner

Schulchroniken werden digitalisiert und dadurch langfristig gesichert

Schulchroniken sind bedeutende Quellen, nicht nur für die Überlieferung einzelner schulischer Begebenheiten, sondern auch zur generellen Rekonstruktion der Orts- und Regionalgeschichte.

Die handschriftlichen Einträge ziehen uns in die Vergangenheit und berichten von allgemeinen, aber auch aufsehenerregenden Begebenheiten. Ein schier unerschöpflicher Fundus an Informationen, die den Verfassern in ihrer jeweiligen Zeit wichtig genug erschienen um überliefert zu werden. Dazu gehörten auch die spürbaren Auswirkungen der verschiedensten Kriegsereignisse. Diese werden mal mehr, mal weniger subjektiv gefärbt geschildert.

Während des 1. Weltkrieges wurden in der Jastorfer Schulchronik akribisch die Kriegsteilnehmer der Schulgemeinde registriert – mit Geburtsdatum, dem Truppenteil und Hinweisen zur späteren Rückkehr oder der Kriegsgefangenschaft. Viele der unter Jubel aufgebrochenen Soldaten sahen ihren Heimatort jedoch nie wieder. In roter Schrift notierte der Lehrer, wann und wo sie gefallen waren; hinter jedem dieser Einträge verbergen sich Schicksale, Tränen, trauernde Familienangehörige.

Abschrift der Emmendorfer Schulchronik

Unwetter und ihre Folgen sind allem Anschein nach in jeder Schulchronik zu finden. So berichtet beispielsweise die Emmendorfer Chronik über ein stundenlang anhaltendes Gewitter am 21. Juli 1901. Während in Nassennottorf die Scheune des Hofbesitzers Ebel eingeäschert wurde, erschlug ein weiterer Blitz die Schülerin Agnes Ebel bei Emmendorf.

Gleich zwei Feuersbrünste ereigneten sich im Juni 1904 in Barum. Es begann mit einem Scheunenbrand. Nur der tatkräftigen Hilfe einiger herbeigeeilter Männer war es zu verdanken, dass die Tiere auf dem von Meding´schen Gute gerettet werden konnten. Nur drei Tage später wütete abermals ein Feuer im Ort. Da zeitgleich auch in den umliegenden Dörfern Brände ausbrachen, gingen die Barumer Einwohner von Brandstiftung aus – sie sahen einen Zusammenhang mit dem in der Gegend aufkeimenden Maurerstreik.

Auch Unglücksfälle wurden von den Lehrern genau dokumentiert: Am 9. November 1910 kam es in Altenmedingen zu einem tragischen Jagdunfall. An diesem Tag gingen zwei Jäger auf Hühnerjagd. Sie bemerkten nicht, dass ihnen der neunjährige Sohn des Kaufmanns Schwabe folgte. Als sich einer der Jäger bückte, um eine Pflanze aus dem Boden zu ziehen − das Gewehr hatte er dabei auf dem Rücken, sodass der Lauf nach links unten zeigte −, eilte Hermann Schwabe von hinten herbei. Er glaubte, die Männer hätten einen Hasenbau entdeckt. Als der Junge auf einen Meter heran war, löste sich ein Schuss aus dem Schrotgewehr und zertrümmerte den Fuß des Schülers. Schwabe wurde vor Ort versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Die Ärzte hofften, den Fuß retten zu können. Und tatsächlich: „Nach 12 Wochen war der Fuß wieder gesund“, notierte der Schullehrer mit feiner Feder am Rand der Seite.

Selbst gewöhnliche Wintervergnügen endeten mitunter in einer Katastrophe: An den Folgen einer Kopfverletzung starb am 30. März 1931 der Schüler Fritz Stein aus Tätendorf, nachdem er beim Rodeln gestürzt war.

Die Mitarbeiter des Stadtarchivs Bad Bevensen haben die Bedeutung dieser Quellen erkannt und bereits vor einigen Jahren, gemeinsam mit dem Verein „Historisches Bevensen e.V.“, eine Abschrift der Emmendorfer Schulchronik angefertigt. Eine zeitraubende Aufgabe, die nicht allen erhaltenen Chroniken zuteilwerden kann.

Aber immerhin: Im Rahmen eines großangelegten Digitalisierungsprojektes werden sie nun allesamt gescannt, wodurch die empfindlichen Originale langfristig geschont werden. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Bücher überdies in einer Art „Digitalen Lesesaal“ der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

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