Quelle:

Text: Kurt Ernst, Manuskript: StadtA BB, A03, A2218-2015/049, Veröffentlicht: im „Blickpunkt“ am 25. Oktober 2002;

Die dargestellten Beiträge Dritter dienen der Erleichterung einer weiteren Recherche. Wir empfehlen die Sachverhalte und insbesondere Datumsangaben und Namen immer zu überprüfen.

Das Haus am Klostertor

Als Bevensen wesentlich kleiner war, endete der Ort am Ende der früheren Marktstrasse, jetzt ein Teil der Lüneburger Strasse, mit dem Klostertor. Wenn jemand zum Medinger Kloster wollte, war dies der einzige Ortsausgang. Nach Medingen führte der Medinger Weg – später Medinger Strasse, wie der Name es schon sagte. Seit ca. 150 Jahren heisst diese Strasse Krummer Arm.

Um 1650 nach dem Dreissigjährigen Krieg war der Schneidermeister Henken der Besitzer des Hauses am Klostertor, das später die Haus-Nr. 59 erhielt. Der Name des Besitzers hat mehrmals variiert, denn 1706 wird als Besitzer Andreas Henke, von Beruf Leineweber, genannt. 1863 erwirbt der Bäcker und Conditor Friedrich Krack das Haus. Seine Backwaren waren als täglicher Bedarf sehr gefragt. Seinem Sohn und Nachfolger Albert Krack genügte das alte Haus nicht mehr seinen Vorstellungen, deshalb baute er 1896 ein neues Ziegelsteinhaus. An der Seite in der Lüneburger Strasse ist noch heute das sehr gut erhaltene Bäckerwappen zu sehen mit dem Satz: „Ein- und Ausgang segne Gott“ F. Krack 1896. Gleichzeitig wurde auf dem Hof eine neue Backstube gebaut.

Nutzung als Tabakgeschäft

Später ging der Besitz des Grundstücks in die Hände von Wilhelm Uhde, einem Zigarrenfabrikant, über. Bis 1963 war er mit der Herstellung von Zigarren tätig. Der Zigarrenabsatz war sehr gut, so dass er Gesellen für die Zigarren-Fabrikation einstellen konnte, da die von ihm hergestellten Zigarren nicht nur in Bevensen sehr geschätzt waren.

D0101b 0330 - Bev-Lüneburger Straße-Tabakgeschäft Wilhelm Uhde

Wilhelm Uhde vor seinem Geschäft

Die ebenfalls sich im Hause befindliche Bäckerei hatte auch einen guten Umsatz schon auf Grund der guten Lage. Die Tochter des vorigen Besitzers hat diese Bäckerei mit ihrem ersten Mann aber auch mit ihrem zweiten Mann geführt. Der Sohn von Ernst Uhde war kein Zigarrenfabrikant, sondern er war Bäckermeister. Da er im letzten Weltkrieg vermißt wurde, konnte er zum Leidwesen seines Vaters die Bäckerei nicht übernehmen. Weshalb die Bäckerei wieder verpachtet wurde. Zunächst war Bäckermeister Stehr hier erfolgreich tätig, den wohl viele Bevenser noch gut in Erinnerung haben, zumal wegen seiner guten Torten, die er zu allen Veranstaltungen und Familienfeiern sehr gut und wohlschmeckend anfertigte. Als Nachfolger führte für einige Jahre Bäckermeister Meister die Bäckerei bis er das Cafe in der Lüneburger Strasse übernahm. Dessen Nachfolger, Jürgen Hogrefe, ist uns allen bekannt. Der Laden in der Lüneburger Strasse war eine willkommene Erweiterung seiner Bäckerei mit dem Laden im Krummen Arm, und für viele Kunden leichter zu erreichen.. Bäckermeister Hogrefe führte beide Betriebe bis er sich zur Ruhe setzte, und Bäckermeister Narr sein Nachfolger wurde. Auch dieser führt die Bäckerei mit sehr gutem Erfolg. Daher war für ihn die Backstube im Krummen Arm nicht groß genug, weshalb er diese nach Römstedt verlegte. Da Ernst Uhde sich zur Ruhe setzte und somit auch die Zigarrenfabrikation einstellte, verpachtete er 1954 das Haus und den Laden an Kurt Streich,  einem guten Kaufmann und Makler aus Küstrin/Oder, der Bevensen bald in sein Herz geschlossen hatte. Er führte das Zigarrengeschäft erfolgreich weiter und legte Wert darauf, daß die Einrichtung mit der Uhr weiterhin gut erhalten und gepflegt wurde. Diese ist auch heute noch im Geschäft in gutem Zustand.

Kurt Streich übernahm das Tabakgeschäft 1954

Kurt Streich übernahm das Zigarrengeschäft 1954

Kurt Streich erwirbt das Grundstück

1964 konnte Kurt Streich das gesamte Grundstück erwerben. Da die auf dem Hof befindliche Backstube nicht mehr benötigt wurde, konnte diese für den Sohn Peter als Übungsraum für Tischtennis umgebaut werden. Leider starb Peter bereits 1995 – viel zu früh. Im Zigarrengeschäft wurde Rolf Kitzelmann zunächst als Lehrling eingestellt und späterhin als Verkäufer eingesetzt. Nach einigen Jahren pachtete er den Zigarrenladen und konnte dann wiederum einige Zeit später das gesamte Grundstück übernehmen. Die Backstube und einige Gebäudeteile wurden modernisiert. Bei den Umbauten wurde eine schlecht verlötete Blechdose gefunden in der ein „Gottesbrief“ lag, wie diese früher in Bayern üblich waren. Leider war dieser Brief durch die schlechte Verlötung zur Hälfte verdorben, so dass der Text nur noch teilweise lesbar war. – In Bevensen wurde schon vor gut 100 Jahren in der Lüneburger Straße ein Gottesbrief gefunden. Im 17. und 18. Jahrhundert war es üblich, daß beim Neubau von Häusern der zuständige Pastor mit dem Gottesbrief kam. Der sollte helfen, das Haus und seine Einwohner vor jeglichen Gefahren zu schützen.

Bäckerei und Tabakgeschäft existieren auch heute noch. Letzteres mit altem am Laden erhaltenen Text und der schon erwähnten schönen Ladeneinrichtung. Da das Rauchen zurück gegangen ist, bietet der jetzige Pächter, Rolf Kitzelmann, noch andere Waren zum Verkauf an. Das Haus selbst befindet sich noch in einem guten Zustand wie vor 100 Jahren. Die Bäckerei wurde der Zeit entsprechend erweitert durch einen Imbiss.

An dieser Stelle schließt die Geschichte im Jahr 2002. Sie wird an anderer Stelle fortgeschrieben.

1 Antwort
  1. Birgit Uhde-Vogt sagte:

    Hallo,
    schön, einen Ausflug in die Geschichte meiner Vorfahren zu machen. Da mein Vater Horst Uhde nicht so viel über seine Verwandschaft wissen wollte und damals mit Mutter und Herrn Gössler aus Bevensen wegzog, kenne ich das Geburtshaus meines Vaters nur aus kurzen Besuchen vor dem Haus in Bevensen zur Zeit von Inhaber Stichan. Dieses Familienfoto mit der Familie meines Opas kannte ich noch nicht. Danke.
    Mit freundlichem Gruß
    B. Uhde-Vogt

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