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TEXT: KURT ERNST, MANUSKRIPT: STADTA BB, A03, A2218-2015/049, VERÖFFENTLICHT: IM „BLICKPUNKT“ AM 24. JANUAR 2003.
DIE DARGESTELLTEN BEITRÄGE DRITTER DIENEN DER ERLEICHTERUNG EINER WEITEREN RECHERCHE. WIR EMPFEHLEN DIE SACHVERHALTE, INSBESONDERE DATUMSANGABEN UND NAMEN IMMER ZU ÜBERPRÜFEN.

Puschen, Pantinen und Seile

Bevensen und Umgebung war schon immer stark von der Landwirtschaft geprägt. Entsprechend groß war daher der Bedarf an Pantinen und Viehseilen. Die Bevenser Stadtbevölkerung bevorzugte dagegen Puschen. Der Krumme Arm hieß im Volksmund Puschenstraße, weil die Hausfrauen zum Einkaufen in Puschen gingen. Sie hatten zum Einkauf nur kurze Wege, meistens nur über die Straße.

Das veranlasste Ludwig EHLERS, er wohnte damals Brückenstraße 8, am 1.12.1886 am Schützenplatz eine Fabrikation und Seilerei für diese Handelswaren einzurichten. Diese Firmengründung wurde ein voller Erfolg, so dass er bereits 1887 die Gelegenheit nutzen konnte, aus einer Konkursmasse das Grundstück Brückenstraße 3 für 15.000,– Mark zu erwerben. Das Haus und das Hofgelände gaben ihm die Möglichkeit zu einer günstigen Fertigung in der Werkstatt, und gleichzeitig konnte er im Laden seine Erzeugnisse ausstellen und verkaufen. So konnte der Verkauf ohne Störung der Fertigung erfolgen.

Die „Puschen“-und Pantinenfertigung blühte weiter auf, ebenso die Fertigung von Turngeräten und Schaukeln. Da zur Pantinenfertigung Lindenholz gebraucht wurde, gab es schon damals Probleme zur Beschaffung des benötigten Holzes. Das Leder für das Pantinen-Oberteil konnte in der Brückenstraße besorgt werden, von der Gerberei an der Ilmenau.

Es wurden nicht nur die benötigten Viehseile hergestellt, sondern auch Seile verschiedenster Art, z.B. für Hängematten. Das Fertigungsprogramm war sehr reichhaltig, aber die Pantinen-Herstellung stand noch sehr lange im Vordergrund. 1912 machte der bekannte Bevenser Fotograf Meyer eine spezielle Fotografie von der Herstellung.

Seilerei Ehlers

Die Ehlersche Puschenherstellung im Jahr 1912

Um einen besseren Zugang zum Hof und den Fertigungsräumen zu erhalten, konnte das Haus Nr.4 in der Wasserstrasse (jetzt An der Aue) dazu gekauft werden. Die Fertigung erweiterte sich, so dass der Platz in der Brückenstraße nicht mehr ausreichend war, und so wurde am Rande der Stadt in der Güterstraße 3 , in der Nähe des damaligen Güterbahnhofs, Gelände erworben. Die Pantinenfertigung hatte dort mehr Platz, und die Seilerei bekam zusätzlich eine Reeperbahn.

1928 brannte die Fertigungshalle in der Güterstraße aus. Der dort wohnende Pantinenmacher, Albert Wegener, war leider nicht in der Lage, den Brand zu löschen. Der nun notwendige Wiederaufbau der Halle erfolgte in massiver Bauweise, die später noch vergrößert wurde. Die Pantinen hatten besonders bei den Kunden in Bevensen viele Abnehmer. Die Kinder hinter der Bahn am Pathsberg holten sich die Pantinen ab Fabrik in der Güterstraße. Nun wurde auch die Fertigung von Seilen für Segler und Schiffe immer umfangreicher. 1941 übernahm der Sohn Ludwig Ehlers die im Kriege erweiterte Fertigung.

Mit Kriegsende 1945 hörte die Fertigung nicht auf. Im Gegenteil die englische Besatzung legte größten Wert auf die Pantinenfertigung. Um die Probleme der benötigten Rohstoffe zu lösen, waren verschiedene Wege nötig. Um Lindenholz für die Sohlen zu erhalten, veranlassten die Engländer, dass längs der B 4 jede 2. Linde abgeholzt wurde. Die Beschaffung des Obermaterials und die Befestigung am Holz waren weitere Probleme. Nägel und Leim waren knapp. Die Engländer legten trotzdem Wert auf ständige Fertigung. Daher waren die guten Organisations-Talente der Ehlers sehr erforderlich, um eine vollständige und befriedigende Fertigung zu schaffen. Der Verkauf der Pantinen erfolgte im Laden auf Haushaltspass bis Ende der 50er Jahre.

Die Nachfrage und der Bedarf nach Seilen wurde größer, so dass 1950 die Reeperbahn neben den Gleisen erweitert werden musste. In der Halle an der Reeperbahn wurden Seile für Hängematten, Viehseile, Feuchte Lappen und alle Arten von Seile für seegehende Schiffe gefertigt. Seit 1970 wurden nur Naturfasern verarbeitet.

1972 übernahm der zweimalige Schützenkönig Hinnerk Ehlers die Firma. 1975 verlegte er die Reeperbahn. Die Suche nach weiteren Einsatzgebieten für die verschiedensten Seile, die nach den entsprechenden Vorschriften zu fertigen waren, war erfolgreich. Der Bedarf an maschinell gefertigten Seilen erforderte mehr Platz, weshalb der Neubau einer großen Halle erforderlich wurde. Leider ist der Platz in dieser Halle heute auch nicht mehr ausreichend, da die Fertigung von dünner, farbiger Hagelschnur bis zum schweren Reep für große seegehende Schiffe reicht. Dementsprechend nimmt die Nachfrage ständig zu. Die sehr umfangreiche Fertigung erfolgt daher ständig Tag und Nacht zum größten Teil automatisch.

Einen geringen Teil der Produktion verkauft seine Frau Hannelore im Laden in der Brückenstraße. Sie schaffte sich aber dabei noch ein eigenes Arbeitsgebiet. So organisierte sie 1978 zunächst in der Güterstraße die Veranstaltung „WI HA HO“ (wir haben ein Hobby) Diese Veranstaltung mit gleichzeitiger Verkaufsausstellung war ein voller Erfolg und zeigte den Bedarf dafür an. Die „WI HA HO“ findet nun jährlich im Kurgebiet statt. 2002 war die 24. Veranstaltung dieser Art mit vielen Teilnehmern aus der näheren und weiteren Umgebung. Für die verschiedensten Hobbys können die dafür erforderlichen Zutaten und Rohstoffe im Laden in der Brückenstraße 3 erworben werden.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Firma Ehlers überall in der Welt mit ihren Seilen eingeführt und gut bekannt ist. Deshalb ist eine sehr umfangreiche Fertigung – wie schon erwähnt- erforderlich.

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