Quelle:

Text: Heinrich Bergel, 2011;

Die dargestellten Beiträge Dritter dienen der Erleichterung einer weiteren Recherche. Wir empfehlen die Sachverhalte und insbesondere Datumsangaben und Namen immer zu überprüfen.

Einst Otto-Telschow-Haus genannt

Ein nicht mehr existierendes Haus in der ehemaligen Poststraße 1,  jetzt Rathausstraße,  schrieb im Laufe der Jahre von der Erbauung Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Abriss 1969 Bevenser Geschichte. Die ersten Bewohner des Hauses waren bis 1935 Handwerker, wie Zimmerleute, eine Reihe von Schneidermeistern und auch ein Schuhmacher. Der letzte  Bewohner war der Schneidermeister Hermann Friedrich Müller. 1935 kaufte die Stadt Bevensen das Haus. Von diesem Jahr an durchlebte das Haus in der Rathausstraße 1 wechselnde Bewohner mit verschiedenen Programmen und Verwendungen.

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In der AZ vom 24.10.1935 heißt es in einen Artikel über personelle Veränderungen im Stadtrat und sonstiger Einrichtungen u.a.:

„Der Bürgermeister teilte weiter mit , dass das Müllersche Haus in der Rathausstraße nunmehr durch die maßgeblichen Zustimmungen des Reichsarbeits- und des Reichswirtschaftsministers in den Besitz der Stadt übergegangen ist. Die Räume dieses Hauses werden der Bewegung zur Verfügung gestellt, so dass in Zukunft die Dienststellen der Kreisleitung Uelzen der NSDAP, der hiesigen Ortgruppe der NSDAP, der Arbeitsfront und der Hitlerjugend hier untergebracht werden.“

Nach einigen Umbauten innerhalb des Hauses hatte Bevensen nunmehr auch ein „Braunes Haus.“ Damit war eine Zusammenfassung aller örtlichen Parteidienststellen gegeben ….. alles unter einem Dach.

Am 16. Juni 1936 wurde das Haus offiziell der Bewegung d.h. dem Kreisleiter Brändel übergeben. Der Uelzer Architekt Wendhut unterstrich in einer Rede die Bedeutung dieses Hauses und  wies dabei darauf hin, dass Bevenser Handwerker  beim Umbau beteiligt waren. Er dankte für den Bauauftrag, er selbst war ja Parteimitglied und verband damit den Wunsch „dass in diesem Hause Aufbauarbeit in treuer Gefolgschaft für den Führer geleistet werden möge.“

In den weiteren Ausführungen des Bürgermeisters Möller sagte er u.a.: „Dieses Haus soll nun den Namen Otto-Telschow-Haus tragen, um die Verbundenheit zwischen Stadt und Partei sichtbar auszudrücken.“ Otto Telschow war zu dieser Zeit Gauleiter. Mit einem Treuegelöbnis zum Führer und zum Gauleiter, einem dreifachen Siegheil und dem Gesang der ersten Strophe des Horst-Wessel-Liedes klang die Feier aus. Die AZ berichtete über diese Feier unter der Überschrift „Kein Prunkbau, ein Haus der Arbeit.“

Als Mieter zogen in das städtische Gebäude nun die Kreisleitung der N.S.D.A.P. ein. Weitere Mieter waren die Ortsgruppe der NSV (National-Sozialistische-Volkswohlfahrt), die Hitlerjugend des Bannes 284 und die Mädelschar im Bund Deutscher Mädel und natürlich der Ortsgruppe der NSDAP als führende Kraft  im Geschehen der Partei bis zum Kriegsende. 1944 war die Volksschule zum Teil mit holländischen Flüchtlingen (Evakuierung aus Holland) belegt. Einige Räume dienten deshalb unter der Leitung des „schlagkräftigen“  Rektors Duvenhorst  als Außenstelle der Volksschule.

Natürlich verlor das Haus in der Rathausstraße 1 nunmehr seinen alten Namen und es begann eine neue Geschichte des Hauses. Der Magistrat war bestrebt, die nunmehr lange Zeit leer stehenden Räume nutzbar zu machen. 1952 belegte das Arbeitsamt Uelzen einige Räume als Bevenser Außenstelle. Im selben Jahr zog auch die AOK mit der Bevenser Nebenstelle ins Haus. Wegen Raummangels in der Mittelschule in der Lindenstraße wurden einige Klassen in der Rathausstraße 1 für kurze Zeit im Haupthaus und Anbau untergebracht. In den Jahren 1952 bis 1954 musste der Magistrat erhebliche Umbauten vornehmen. Zu den Investitionen gehörten auch Arbeiten an der Mitte der 50er Jahre eingerichteten „Öffentlichen Bedürfnisanstalt“ in einfacher Bauweise, die schon sehr gewöhnungsbedürftig war.

Das DRK hatte zeitweilig einen Schulungsraum gemietet. Einer der ersten Mieter war das sog. „Werbebüro Sauerbrey“. In den Anfängen diente diese kleine Firma als zentrale Informations- und Dienstleistungsquelle aller Art. In späterer Zeit entwickelte sich das Werbebüro zum ersten Reisebüro in Bevensen. Kurzzeitig lagerte die Bevenser Theatergruppe „Junges Theater“ Kulissen und Requisiten im Haus.

1960 bezog die sog. „Lesehalle“, die städtische Bücherei, das ehemalige Otto-Telschow-Haus in den Erdgeschoßräumen. Immerhin gehörten ca. 3.000 Bücher zwischen 1960 – 1969 zum Bestand. Die Beanstandungen an der Bausubstanz häuften sich zusehends. Die Beschwerden der Mieter nahmen zu. Eine Überprüfung durch die Bauaufsicht (Staatshochbauamt Uelzen) ergab, dass weitere Investitionen nicht mehr tragbar waren. Man entschloss sich zu einer Radikalmaßnahme. Der Stadtdirektor stellte eine weitere Benutzung der Räume in Frage. Nach den noch erforderlichen Reparaturen war dann 1969 das Ende des Hauses in der Rathausstraße 1 gekommen. Kriegs- und Nachkriegszeiten haben in diesem Hause ein Stück Stadtgeschichte geschrieben ….. Das Haus war in gewisser Hinsicht Mittelpunkt der Stadt. Der Abriss erfolgte 1969. Heute befinden sich an dieser Stelle ein Imbiss und eine Bedürfnisanstalt.

D0101b 0529-Bev-RathausstraßeAbriss Telschow-Haus 1969

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