Quelle:

TEXT: Tino Wagner

Bevenser Geschichte(n): Eine Brücke zwischen Eisschollen und Hochwasser

Am Ende der Brückenstraße, dort wo heute Fußgänger flanieren und den auf der Ilmenau treibenden Tretbooten nachschauen, war früher der einzige Übergang dieser Art in Bevensen. Die Ilmenaubrücke – unabdingbar und anfällig zugleich!

Eine Zeichnung des Landesbauamtes aus dem Jahr 1895 zeigt den einstigen Aufbau der Brücke: Sieben Meter lange Holzstämme, in einem Abstand von einem Meter ins Gewässer getrieben. Auf den zwei hölzernen, eichenen Jochen ruhten eiserne Träger mit dem Belag. Bereits 1921 waren die Unterzüge zur Hälfte angefault, sodass sich die Brücke in der Mitte um 30 cm senkte. Nur wenige Jahre darauf mussten die Eisenprofile erneuert werden, die als Unterlage für den Belag dienten.

1934 sank der Wasserspiegel des Heideflusses um 40 Zentimeter, wodurch alle Stützbalken höher beansprucht wurden. Einwohner und Fuhrwerksbesitzer schlugen Alarm, aber nichts geschah! Bürgermeister Möller klagte in einem Brief an das Landesbauamt in Uelzen: „Die Pfosten sind schlecht und auch der ganze Oberbau hat anscheinend mit der Zeit sehr gelitten. Um mich als Polizeiverwalter vor späteren Vorwürfen zu schützen, wiederhole ich meinen Hinweis.“ Nun kam endlich Bewegung in die Sache und die Brücke wurde erneuert. Vier Jahre später erhielt der Malermeister Adolf Peek den Auftrag, die eisernen T-Träger sowie vorhandene Eisenprofile und das Geländer zu entrosten und mit Rostschutzfarbe zu streichen.

Ilmenaubrücke

1938: Alle Eisenteile müssen mit einer Rostschutzfarbe versehen werden. Die Arbeiten werden von der Fa. Peek durchgeführt.

Die Brückenpfosten verursachten alljährlich eine Stauung der Eisschollen auf dem Heidefluss, die so stark waren, dass 1940 sogar Pioniere zur Sprengung eingesetzt wurden.

Das Hochwasser am 10. Februar 1941, wobei die Brücke um 35 cm überflutet wurde, verursachte weitere starke Schäden. Der Brückenbelag auf der nördlichen Seite war derart verrostet, dass der Kies bei Regenfällen nach unten durchgespült wurde und Schlaglöcher entstanden. Sie wurden behelfsmäßig mit Eisen- und später mit Holzplatten abgedeckt. In den Kriegsjahren war an eine Erneuerung nicht zu denken.

Der Zustand der Brücke verschlechterte sich auch in den Nachkriegsjahren zusehends; in den Wintermonaten hatten sich einzelne Randträger durch den Eisgang verschoben. „Wenn Sie den schweren Verkehr auf der Brücke beobachten würden, ich glaube, auch Sie bekommen es mit der Angst, denn der ganze Oberbau wackelt und man hat das Gefühl, nun bricht der Kram zusammen“, schrieb Malermeister Peek im Februar 1948 an den Bevenser Oberwegemeister Damm. Zu dieser Zeit war die Brücke schon für jegliche Fahrzeuge über drei Tonnen Gesamtgewicht gesperrt, aber nicht alle hielten sich daran.

Die Militärregierung genehmigte im März 1948 den Bau einer über 27 Meter langen Bailey-Brücke. Der eiserne Notnagel war lediglich vier Meter breit und ließ nur einspurigen Verkehr zu, der zudem von der Polizei geregelt werden musste. Vor der Brücke stauten sich die Fahrzeuge.

Aufgrund der angespannten Situation drängte der Stadtrat auf einen schnellen Brückenneubau. Das Antwortschreiben der Straßenbaudirektion Hannover war ernüchternd: „Der Neubau der Ilmenaubrücke ist […] von der Bereitstellung der erforderlichen Kontingente an Eisen, Holz, Zement usw. abhängig.“

Aber es kam noch schlimmer: Die Brückenbauprogramme der Folgejahre beschränkten sich auf diejenigen Brücken, die an Straßenzügen von „größerer Bedeutung“ lagen. Wieder sollte Bevensen leer ausgehen, und dabei rollten täglich 300 Fahrzeuge über die Brücke. Immerhin war sie die einzige Verbindung zum Hamburgischen Krankenhaus. Zahlreiche Verkehrsunfälle hatten sich bereits ereignet, einer sogar mit tödlichem Ausgang. Jahre vergingen, bevor der Neubau beschlossene Sache war.

Im Oktober 1950 richtete die beauftragte Firma Wayss & Freytag aus Hannover die Baustelle ein. Der Verkehr wurde während der Arbeiten über Uelzen und Lüneburg umgeleitet. Kräne wuchsen in die Höhe und auf der Ostseite rumpelten 500 Liter-Betonmischer. Die Behelfsbrücke wurde stromabwärts verschoben, um Platz für Senkkästen zu schaffen, die den erforderlichen Arbeitsraum unter der Wasseroberfläche bildeten. Die neue Brücke ruhte auf Betonpfeilern und besaß eine Tragfähigkeit von 70 Tonnen. Schwere Fahrzeuge brauchten nun nicht mehr die Übergänge in Uelzen oder Lüneburg zu nutzen.

Im Winter ruhten die Bauarbeiten, aber bereits Mitte April 1951 rollten erste Fahrzeuge über die bereits fertige Brückenhälfte − der letzte Bauabschnitt begann.

März 1951: Die Räume zwischen den Spannbetonträgern werden „armiert“, d.h. die erforderlichen Stahleinlagen werden geflochten. In Kürze wird betoniert.

April 1951: Die Spannbetonträger für die nördliche Brückenhälfte werden verlegt.

April 1951: Die Baileybrücke ist abgebaut; der Verkehr geht bereits über die südliche fertige Brückentafel. Das südliche Geländer der Brücke ist bereits aufgestellt.

Nach einer Bauzeit von 33 Wochen konnte die neue Brücke im Mai 1951 dem Verkehr übergeben werden. In Bevensen kehrte wieder Ruhe ein.

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