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Text: T. Wagner; Quelle: StadtA BB A606-32/1931/010

Wie Bevenser Bürger einen Soldaten vor dem Ertrinken retteten

Die Ilmenau: Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Den meisten Bevensern und Gästen ist sie nur als beschaulich dahinplätschernder Heidefluss bekannt. Sie entsteht südlich von Uelzen aus dem Zusammenfluss der Stederau und der Gerdau. Anmutig schlängelt sie sich durch die Landschaft, um vor den Toren Hamburgs in der Elbe zu münden.

Aber auch dieser zauberhafte Fluss kann zum reißenden Strom werden. So wie beispielsweise nach dem Winter 1940/41. Anfang Februar begann das Tauwetter und nach einer Woche war fast alles aufgetaut. Der noch gefrorene Boden war nicht in der Lage das viele Tauwasser aufzunehmen. In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 1941 trat die Ilmenau über das Ufer und überschwemmte große Land- und Wiesenstrecken. Die an sich etwa 15 Meter breite Ilmenau wurde dadurch an einigen Stellen 200 Meter breit.

Schaulustige am Ende der heutigen Brückenstraße. Die Aufnahme entstand 1942.

Dem Soldaten Burmester aus Eddelstorf, der morgens um sechs Uhr aus dem Heimaturlaub zu seiner Truppe zurückkehren wollte, wurde dieser Umstand beinahe zum Verhängnis. Glaubte er doch mit dem Fahrrad durch das Hochwasser hindurchzukommen, um noch rechtzeitig den Frühzug zu erreichen. Als ihm das Wasser in die Stiefel lief, wurde Burmester von seinem Rad gerissen. Gerade noch rechtzeitig fand er an einem Straßenbaum Halt. Seine Hilfeschreie wurden zunächst „vom Rauschen des Wassers übertönt“. Erst eine Stunde später nahmen Anlieger seine Hilfeschreie war und alarmierten sodann die Feuerwehr. Aber in der Dunkelheit war die Stelle, an der sich der Verunglückte befand, nicht auszumachen. Da der Bereich auch mit Autoscheinwerfern nicht ausgeleuchtet werden konnte, war die Richtung nur anhand der Hilferufe festzustellen. Verschiedene Feuerwehrleute und auch im Quartier liegende Soldaten versuchten von der Ortsseite an den Verunglückten heranzukommen. Sie scheiterten aber an der außerordentlich starken Strömung. Der Versuch von der Schützenplatzseite mittels Leitern und Stricken an die Straßenbäume heranzukommen blieb ebenso erfolglos wie der Einsatz von Treckern und Lastkraftwagen. Als letzter Versuch bildeten 6 Männer eine Kette und verbanden sich mit Seilen. Im Tippelschritt erreichten sie so den entkräfteten Burmester, dessen „Körper infolge der großen Kälte vollständig erstarrt war.“ Gerade noch rechtzeitig! Lange hätte er sich nicht mehr halten können.

Die Namen der Helfer sowie die Hintergründe der Rettung gehen aus einer Akte im Stadtarchiv Bad Bevensen hervor.

In dieser befindet sich ein Schreiben der Stadt Bevensen, vom 31. März 1941, an den Landrat in Oldenstadt: „Die erwähnten 9 Personen haben bestimmt ihr Leben eingesetzt, um den verunglückten Soldaten vor dem Tode des Ertrinkens zu retten. Der Soldat selbst erklärte, daß er sich keine Viertelstunde mehr in der Strömung hätte halten können.“ Bürgermeister Möller empfahl eine würdigende Anerkennung des mutigen Einsatzes.

Die Namen der Retter:

  1. Arbeiter Friedrich Gausmann
  2. Arbeiter Wilhelm Dreyer
  3. Postschaffner Wilhelm Niemeyer
  4. Arbeiter Gerhard Greskowiak
  5. Arbeiter Johannes Tautenhahn
  6. Arbeiter Otto Schröder
  7. Maurermeister Krumwiede
  8. Schuhmacher Anton Pechtold
  9. Tischlermeister Heinrich Reck

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