Quelle:

Text: Kurt Ernst, Manuskript: StadtA BB, A03, A2218-2015/049, Veröffentlicht: (in gekürzter Form) im „Blickpunkt“ am 22. November 2002;

Die dargestellten Beiträge Dritter dienen der Erleichterung einer weiteren Recherche. Wir empfehlen die Sachverhalte und insbesondere Datumsangaben und Namen immer zu überprüfen.

Ernst Wilhelm, Amtshalter und Essigfabrikant, baute 1839 in der Medinger Straße ein langes einstöckiges Haus, in dem auch Tierarzt Müller 1853 seine Wohnung und Praxis hatte.

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Das Haus an der Medinger Straße war zunächst einstöckig …

Das Haus erhielt die Nr. 39. 1855 erwarb Leopold Kempe das Haus, ein sehr aktiver Aktuar. Nach mehrfachem Wechsel ging ein größerer Teil des Hauses und des Gartens 1883 an August Gienke. Malermeister Gienke war ein sehr sozial eingestellter Mensch. So bemühte er sich in der Zeit der Hamburger Seuche mit Erfolg um die Adoption eines Waisenkindes aus Hamburg.

Dieses damalige Waisenkind ist wohl noch vielen von uns bekannt, denn es war Ernst Gienke, der als Steuerberater in der Glockeneichenstraße tätig war. August Gienke erweiterte das einstöckige Haus in der Medinger Straße durch massive Aufstockung. Er plante, dort ein Logenheim gegen Alkoholismus einzurichten. Dafür fand er viele Anhänger. Sogar Frauen durften Mitglied werden, wie die Mitgliedsurkunde es bestätigte. Sie, die Mitglieder des Bevenser Teils des Gut-Templer-Ordens tagten im neu erbauten Obergeschoss, tranken dabei nur Kaffee und dazu wurde sehr tüchtig geraucht. Die Kaffeekanne, einzelne Kaffeetassen, Tischdecken und der „Achtungs-Hammer“ existieren noch heute in guter Verwahrung. Geraucht wurde so viel, daß der Rauch nicht durch die Fenster abziehen konnte, was für alle Beteiligten sehr lästig war. Aber August GIENKE wußte sich zu helfen. Er sägte ein Loch in die Holzdecke, so daß der Rauch nun auch zusätzlich durch dieses Loch auf den Dachboden abziehen konnte. Auf diese Weise waren die Sitzungen von Deutschlands Großloge II – Gut-Templer-Orden in diesem Hause gerettet. Auch in der Neuzeit ist die Loge noch aktiv besonders für Trinker zur Suchtheilung bzw. Abgewöhnung ihrer Trunksucht.

1906 starb der rührige und überall geschätzte Gienke. Seine Frau hatte an dem großen Haus kein Interesse und verkaufte es. Die Loge siedelte in das Gemeindehaus am Kirchplatz um, wo sie bis 1939 tätig war. Es waren sehr viele junge Menschen Logenmitglieder, die 1939 zum Kriegsbeginn einberufen wurden, so daß zunächst die Zeit für die Loge vorüber war. Nach dem Kriege wurde im kleinen Rahmen als Filiale der Uelzener Niederlassung eine Nebenstelle im Nebenhaus der Alten Schmiede in der Medinger Strasse aufgebaut, deren Existenz nur kurz war. Der nächste Besitzer des Hauses in der Medinger Strasse 12 war der Steinmetz und Bildhauer Friedrich Hösch. Das gesägte Loch im Obergeschoss wurde zunächst zum Problem. Er meinte: „Nur wenn Ihr dieses Loch zumacht, kaufe ich das Haus“. Das Loch wurde zugemacht, und Hösch kaufte das Haus, da es seinen Vorstellungen entsprach. Den Garten benutzte er als Ausstellungsgelände für seine Erzeugnisse und für Nacharbeiten. Sein Sohn Wilhelm Hösch war ebenfalls Steinmetz und Bildhauser und setzte 1950 in gleicher Weise die Arbeit in der bekannten und geschätzten Firma fort.

Vor ca. 20 Jahren übernahm dessen Sohn Wilhelm Hösch mit gleich gutem Erfolg die Firma. Seine Frau Heide fand in der Wohnung im Obergeschosse einen Makel, da sie das geschlossene Loch in Umrissen in der Zimmerdecke trotz diverser Tapeten bei bestimmter Wetterlage immer noch sehen konnte, obwohl Wilhelm keine Umrisse erkennen konnte. Auch ein guter Bekannter erkannte diese Stelle nicht. Beim Treffen in der Stadt stellte sie ihm jedes Mal die gleiche Frage nach den noch sichtbaren Umrissen. Ein Maler- und Tapeziermeister fand die Lösung dafür. Die in das Loch eingesetzten Bretter seien mit der Maserung schief eingesetzt. Bei Schrumpfung der Bretter traten an den Kanten Risse auf. Leider hat seine Frau Heide das nicht mehr erfahren können, da sie vorher verstorben ist. Wilhelm Hösch wurde das Grundstück in der Medinger Straße für Betrieb und Wohnung zu klein, deshalb verlegte er die Firma mit Wohnung in einen Neubau in den Kurzen Bülten. Im Haus in der Medinger Straße 12 ist jetzt eine Treppenbaufirma. Das Haus hat eine so gute Bausubstanz einschließlich der Erweiterung durch das Obergeschoss, daß es auch heute noch, nach über 100 Jahren gut aussieht.

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