Der Neuseeländer Hayden Cullen will sich 99 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bei der Familie eines Eppensers bedanken

Am 10. Oktober 2017 berichteten zahlreiche in- und ausländische Medien über eine rührende Suche.

Der Neuseeländer Hayden Cullen sucht nach 99 Jahren die Nachfahren des Mannes, der seinen Urgroßvater gerettet hat.

In den kommenden Tagen häuften sich die Anfragen von Pressevertretern und hilfsbereiten Familienforschern. Das Stadtarchiv Bad Bevensen und zahlreiche private Forscher rekonstruierten die Familienverhältnisse anhand der Kirchenbücher. So ließ sich ermitteln:

Johann Heinrich Friedrich Held, Schneidermeister (Eltern Schneider Johann Heinrich Wilhelm oo Catharine Magdalena Gade)

* 7.2.1867 in Eppensen

~ 17.2.1867 in Bevensen

[] 30.12.1946 (kein Sterbedatum in den Kirchenbüchern angegeben)

°° 11.2.1898 in Barum mit

Emma Meyer

* 15.1.1870 Hohenbünstorf

+ 14.11.1943 als Ehefrau in Eppensen

[] 17.11.1943

Kinder:

1.) Heinrich Wilhelm Adolf August

* 6.12.1898 Eppensen

~ 18.12.1898 Bevensen

+ 5.10.1928 Eppensen (ledig)

[] 8.10.1928

Weltkriegsretter

Sterbeeintrag von H.W.A.A. Held (Quelle: KB III.2 – 1884 – 1947 Begrabene Bevensen II)

2.) Emma Lies[…] Doris Anna

* 13.5.1905 in Eppensen

~ 4.6.1905 in Bevensen

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide vom 12.10.2017, S.8

Gerhard Sternitzke. Eppensen. Es ist ein Moment der Menschlichkeit im millionenfachen Töten des Ersten Weltkriegs. Ein neuseeländischer Soldat wird in Frankreich schwer verwundet. Ein deutscher Offizier rettet den schwer Verletzten – und trägt ihm auf, seine Brieftasche der Familie zukommen zu lassen. Doch der Neuseeländer kann die Angehörigen nie ausfindig machen. Jetzt, 99 Jahre später, sucht der Urenkel Hayden Cullen noch einmal die Nachfahren des Mannes, der seinen Urgroßvater gerettet hat. Das berichtet das neuseeländische Militär. H. Held, so steht es auf der leeren Brieftasche, war in Eppensen im Landkreis Uelzen zu Hause. Cullen, ebenfalls Soldat, macht sich natürlich keine Illusionen darüber, wie schwierig es sein wird, die Nachfahren zu finden. „Ich weiß, es ist reine Spekulation, aber wenn ein Wunder geschehen kann – warum nicht ein weiteres?“, meint der Neuseeländer, der heute, Donnerstag als Militärmusiker der New Zealand Army Band aus der Nähe von Christchurch am 100-jährigen Gedenken an die Schlacht von Passchendaele in Belgien teilnimmt. Neuseeland beteiligte sich mit 100 000 Soldaten am Ersten Weltkrieg. Mehr als 16 000 starben. Cullens Urgroßvater hat seine Rettung in einem Brief an seine Familie geschildert. Sie spielt in den letzten Kriegstagen im November 1918, als die alliierten Truppen die französische Stadt Le Quesnoy von den Deutschen zurückerobern. Dabei wird eine neuseeländischer Maschinengewehr-Posten von einer Granate getroffen. Ray Cullen überlebt als einziger von sechs Soldaten schwer verletzt. Er versucht zu den eigenen Linien zu gelangen, bricht aber auf grund des schweren Blutverlusts zusammen. Ein deutscher Trupp unter Leitung von Held, gerade auf dem Weg sich zu ergeben, stößt auf den Verwundeten. Der Offizier lässt seine Leute aus ihren Mänteln eine Trage machen und Cullen mitnehmen. Bevor er sich ergibt, vertraut Held ihm seine Brieftasche an. Der nimmt sie zunächst mit auf die Farm in Neuseeland. Die Angehörigen aber erreicht er nie. Nun, so sein Urenkel, setzt die Familie alle Hoffnungen auf Hayden Cullen, dass er das Stück nach Europa bringt und die Familie des Retters findet. „Man weiß nie, wen man hier drüben treffen könnte – sogar 99 Jahre später“, glaubt Cullen. „Wir schulden ihnen großen Dank für das, was ihr Vorfahr für den unsrigen tat.“ Auf der Brieftasche in Cullens Besitz ist unter dem Namen als Adresse vermerkt: Eppensen, Gemeinde Emmendorf, Kreis Uelzen, Provinz Hannover. Der Offizier namens Held, der im Ersten Weltkrieg Nächstenliebe zeigte, scheint überlebt zu haben. Stadtarchivar Tino Wagner hat Heinrich Wilhelm Adolf August Held, geboren 1898, im Bevenser Kirchenbuch gefunden. Der Sohn des Eppenser Schneidermeisters Johann Heinrich Friedrich Held, starb 1928 in Eppensen– ledig und kinderlos. (Quelle: Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide v. 12.10.2017, S.8)

Laut der Kirchenbücher hatte die Familie nur diese zwei Kinder. Der Erstgeborene verstarb wie erwähnt bereits 1928 – ledig und kinderlos. So blieben nur mögliche Kinder seiner Schwester als Nachfahren. Am 14. Oktober dann dieser Zeitungsartikel:

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide vom 12.10.2017, S.8

Gerhard Sternitzke. Barum.  Die Allgemeine Zeitung liegt aufgeschlagen in der guten Stube. Ein Soldat vom anderen Ende der Erde ist darauf zu sehen, ein Neuseeländer – aber seine Botschaft berührt Helga Rabe. Sie führt weit zurück in die Vergangenheit. Hayden Cullen sucht nach 99 Jahren die Nachfahren des deutschen Offiziers, der am Ende des Ersten Weltkriegs seinen schwer verwundeten Urgroßvater rettete (AZ berichtete). Heinrich Held aus Eppensen verstarb 1928 kinderlos. Er war der Onkel der Barumerin. „Ich bin die letzte der Familie“, sagt die 75-jährige geborene Langbartels. Auf dem Familienfoto der Familie Held steht ihre Mutter Emmi neben dem früh verstorbenen Onkel. Sie betrieb mit ihrem Mann in Eppensen einen Edeka-Laden. Als das Haus verkauft wurde, landeten die meisten alten Briefe und Fotos im Müll. Ein altes Fotoalbum rettete ihr Mann Wilhelm (79). Darin Bilder von den Eltern. Von dem Onkel keine Spur. Auch an Erzählungen ihrer Mutter über Heinrich Held kann sich Helga Rabe nicht erinnern: „Da war ich ein Kind, da hatte ich kein Interesse.“ Jetzt ist das anders. Der Urenkel des neuseeländischen Soldaten Ray Cullen, den ihr Onkel Heinrich Held bei der französischen Stadt Le Quesnoy von einer Granate schwer verletzt auf dem Schlachtfeld fand und mitnehmen ließ, möchte sich nach Generationen für diese Tat bedanken. Im Gepäck zur Gedenkfeier 100 Jahre nach der Schlacht bei Passchendaele in Belgien hat er eine Brieftasche des Retters, die er den Nachfahren gerne übergeben möchte. Dafür hat er sich an die Medien gewandt. „Ich weiß, es ist reine Spekulation, aber wenn ein Wunder geschehen kann – warum nicht ein weiteres“, so seine Worte. „Das möchte ich gerne machen“, sagt Helga Rabe. „Das würde mir eine Freude machen.“ Ob der Kontakt der Nachfahren Cullen und Rabe zustandekommt? „Er kann gern einen Termin vereinbaren“, sagt Wilhelm Rabe. „Aber ich spreche kein Englisch, er kein Deutsch.“ In Neuseeland wird das Gedenken an den Ersten Weltkrieg groß geschrieben. 100 000 Soldaten, zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, waren damals an der Seite der Alliierten im Einsatz. 18 000 von ihnen starben, über 40 000 wurden verwundet. Fast jede Familie war betroffen. Ray Cullen überlebte wie durch ein Wunder und kehrte auf seine Farm in Neuseeland zurück, weil Heinrich Held Menschlichkeit zeigte. (Quelle: Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide v. 14.10.2017, S.7)

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide v. 14.10.2017, S.7

stk.Barum. Knapp verpasst. Das Rätsel um die Brieftasche eines deutschen Offiziers, der im Ersten Weltkrieg einen schwer verwundeten neuseeländischen Soldaten rettete, ist aufgeklärt (AZ berichtete) – aber zur Übergabe an seine nächste Angehörige, die Barumerin Helga Rabe (75) kommt es zunächst nicht. Hayden Cullen, Militärmusiker bei der neuseeländischen Armee, ist nach der Gedenkveranstaltung für die Schlacht bei Passchendaele in Belgien bereits wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Die Brieftasche des Eppensers Heinrich Held – er war der Onkel von Helga Rabe – musste er wieder mitnehmen. Dennoch ist seine Freude groß, wie das neuseeländische Militär mitteilt. „Ich denke, das ist die Leistung der Presse und der sozialen Medien“, sagt der Soldat, immer noch überwältigt, dass das Rätsel um die Brieftasche tatsächlich gelöst werden konnte. „Jedenfalls wurde in zehn Tagen etwas erreicht, was unsere Familie in 99 Jahren nicht geschafft hat.“ Nicht alle Hoffnungen freilich haben sich für ihn erfüllt. Heinrich Held, der Retter seines Urgroßvaters, starb bereits 1928 kinderlos. Helga Rabes Mutter Emmi Langbartels hat wenig über ihren Bruder erzählt oder ihre Tochter hatte als Kind kein Interesse an den Geschichten über den Onkel, den sie nicht mehr kennenlernte. Papier und Fotos aus dem Haus der Helds in Eppensen landeten beim Verkauf in der Tonne. Damit ist es für den Neuseeländer auch schwierig, mehr über Heinrich Held zu erfahren. Doch die Hauptsache ist für Cullen, dass er zu der alten Brieftasche einen Namen und eine Adresse hat. Und zu der persönlichen Übergabe soll es auch noch kommen. Cullens Tante reist im November zur französischen Stadt Le Quesnoy, um den 100. Jahrestag der Befreiung der Stadt durch eine neuseeländische Division zu begehen – dort, wo sich der Akt der Menschlichkeit am Ende des Ersten Weltkriegs ereignete. „Sie wird auf jeden Fall einen Abstecher in das Dorf in Deutschland machen, um sich bei der Familie für die Rettung unseres Vorfahren zu bedanken“, kündigt Cullen an.  (Quelle: Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide v. 14.10.2017, S.7)

Nun bleibt abzuwarten, ob und wann die Zusammenkunft stattfindet. Wir werden an dieser Stelle fortlaufend berichten.

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